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Der Narrenverein Neufra/Donau e.V.


Bereits seit 1924 wird in Neufra Fasnet gefeiert. Damals wurde sie von der Musikkapelle ins Leben gerufen und lange gehegt und gepflegt. Höhepunkt in den Anfangsjahren war, wie auch heute noch, der Umzug am Rosenmontag durch das Dorf. Der Vorschlag zum gespenstischen Schauspiel kam dann 1968 von Adolf Gröber, dem aus Neufra gebürtigen Dialekt- und Heimatdichter. Josef Rainer, Musiker aus Neufra, schrieb ein 5-strophiges Narrenlied mit Bezug auf die Neufraer Fasnet, dass im Refrain auch den Narrenruf – Hu-hu , Hi-hi – beinhaltet.
Im Jahre 1987 haben sich die Neufraer Narren zu einem Verein e.V. zusammengeschlossen. In den letzten Jahren hat sich die Mitgliederzahl bei 250 eingependelt, wovon über 120 Holzmaskenträger sind. Der Beitritt zum Verband Alb-Bodensee-Oberschwäbischer-Narrenvereine e.V. erfolgte im Oktober 1991.
Neben den Geistern sind Graf und Gräfin Helfenstein, der Nachwächter, der Büttel und der Narrenrat ein wichtiger, traditioneller Bestandteil der Neufraer Fasnet. In 2004 wurde eine zusätzliche, historische Figur der Neufraer Fasnet hinzugefügt. Der Stibitzer, sowie die notwendige Begleitung für das närrische Gesindel, eine Marketenderinnen Gruppe.
1998 konnte das große Jubiläum "30 Jahre Schlossgeister" mit einem gelungenen Zunftmeisterempfang und einem anschließenden Nachtumzug gefeiert werden. Mit einem weiteren Nachtumzug - mit über 2000 Hästrägern – und einer großen Party auf der Festwiese, wurde in 2007das Jubiläum “55 Jahre Neufraer Büttel“ ausgiebig gefeiert.



Häser und Masken

Der Schlossgeist

Ursprünglich trugen die Schlossgeister - wie es früher bei der Fasnet hierzulande üblich war - Stoffmasken. Diese werden heute ausschließlich von Kindern getragen. An der Fasnet 1989 konnten dann die ersten Holzmasken vorgestellt werden, welche heute von allen Jugendlichen und Erwachsenen getragen werden. Die Maske ist mit einem weißen Leinentuch versehen, das an der Unterkante mit roten Fransen abschließt. Das Geisterhäs, aus weißem Leinentuch, hat auf der Rückseite als Bildmotiv eine Geistermaske, die Kirche und das Schloss aufgedruckt. Ein Spinnennetz ziert Vorder- und Rückseite des Gewands. Das Schlossgeisterhäs wird mit einer schwarzen Metallkette, weißen Gamaschen, schwarzen Handschuhe und schwarzen Schuhe abgerundet.

Der Stibitzer


Der Stibitzer trägt ein Bettelhäs, bestehend aus einer hellen Leder-Flecken-Hose, braunen Stiefel, braunem Leinenhemd, Wolltuchjacke mit Flicken und einem großen, braunen Filzhut über grauen, langen Haaren. Das Gesicht zeigt einen zu Tode erschrockenen Mann. Es handelt sich hier um einen Dieb, der, um seine Familie vor dem Hungertod zu bewahren, die reichgefüllten Schlosskammern plünderte und dabei von dem Grafen erwischt wurde. Er trug sein Säckle zwar gut getarnt unter seinem Wams, aber das Sackende schaute unten raus, so dass er gleich überführt war. Der Graf aber hatte Mitleid mit dem Dieb und ließ ihn laufen. So steht es geschrieben in der Chronik des Schlosses zu Neufra.
Die Marketenderin
Eine kleine Laufgruppe ohne Maske. Sie tragen mittelalterliche Frauenkleidung mit weitem Rock, Leinenbluse, Wams und Umhang. Mit Wurst, Brot und manchen alkoholischen Getränken versorgen sie während des Umzugs nicht nur den Narrenrat, sondern auch das Publikum.

Die weiteren Narrenfiguren wie Graf, Gräfin, Nachtwächter und Narrenräte sind in mittelalterlichen Häsern gekleidet. Den typischen Stil um die Jahrhundertwende zeigt der Dorfbüttel mit seiner Pickelhaube und württembergischen Polizeiuniform.


Die Neufraer Hausfasnet

So wie Adolf Gröber das gespenstische Schauspiel vor 1968 in Szene gesetzt hat, wird es auch noch heute weitergeführt. Graf Helfenstein mit Gemahlin, der Zehntmeister und alte Büttel des Ortes sowie das gesamte Hofgesind (Schlossgeister, Stibitzer und Marketenderinnen) werden jeweils am "Glompigen Donnerstag" im alten Gewölbe des Schlosses zum Leben erweckt. Der traditionelle Geistertanz mit Fackelbeleuchtung und Geisterfeuer machen jedem klar, dass die hohe Zeit der Fasnet wieder gekommen ist. Schauplatz für dieses Geisterspektakel ist das alte Rentamt mit erleuchtetem Torbogen unterhalb der Schlossmauer. Im Anschluss wird mit Unterstützung des Musikvereins der Narrenbaum gestellt und der Abend in geselliger Runde abgeschlossen.
Am Rosenmontag, dem Haupttag der Hausfasnet, wird morgens der Ortsvorsteher abgesetzt und gefesselt durch Dorf in die Gemeinschaftshalle geführt. Hier findet der traditionelle Kaffeeklatsch für die Frauen des Dorfes statt. Zum Mittagessen geht es ins Gasthaus Hirsch zum traditionellen "Gröscht"-Essen. Nach dem Besuch der einheimischen Firmen, wird nachmittags der Kinderumzug gestartet, der in der Halle endet, wo zu Kaffee und Kuchen, und Kinderbelustigung eingeladen wird. Am Abend findet ein abwechslungsreiches Programm mit Show und Tanz statt.
Die Regierung des Grafen Helfenstein mit Gemahlin mit dem gesamten Gesinde dauert bis Fasnetsdienstag. Um 19 Uhr wird das Urteil des Narrengerichts verkündet. Graf und Gräfin samt Hofgesind werden wieder in die Gruft des Schlosses verbannt. Vollstreckt wird die Verbannung durch das Verbrennen eines Schlossgeistes, einer Stroh gefüllten Puppe. Während des Abbrennens tanzen die Geister, Stibitzer und Marketenderinnen um die brennende Geisterpuppe, während Narrenrat und die Zuschauer zum letzten Mal das Neufraer Narrenlied singen, begleitet durch den Musikverein Neufra.